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Peter Honigmann

Die Akten des Galuts

Betrachtungen zu den mehr als hundertjährigen Bemühungen um die Inventarisierung von Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland

 

Einleitung

Auch wenn in den Schriften der Propheten die Rede davon ist, Kaufbriefe für Grundbesitz in irdenes Gefäß zu legen, damit sie lange erhalten bleiben, (1) hat sich ein innerjüdisches Archivwesen in zweieinhalbtausend Jahren Diaspora kaum entwickelt. (2) Das jüdische Archivwesen teilt das Schicksal der jüdischen Geschichtsschreibung, (3) beide sind im wesentlichen Produkte des Assimilationszeitalters. Während jedoch die historische Forschung, sobald das methodische Instrumentarium und die institutionellen Voraussetzungen erst einmal geschaffen sind, auch weit zurückliegende Epochen oder bisher unbeachtete Fragestellungen in den Bereich ihrer Untersuchungen einbeziehen kann, ist beim Archivwesen rückwirkendes Handeln nicht oder nur sehr bedingt möglich. Sicher lassen sich aufgefundene Fragmente sorgsam verwahren und fortan der Forschung zugänglich machen, aber die Fülle des bereits im Räderwerk der Geschichte untergegangenen Materials läßt sich ebensowenig wiederbringen wie sich Sachverhalte nachträglich aktenkundig machen lassen, deren schriftliche Fixierung von den Zeitgenossen nicht für notwendig erachtet worden ist. Die Gründe für den enormen Informationsverlust liegen keineswegs auf der Hand. Bereits Ezechiel Zivier, der Wegbereiter des 1905 gegründeten Gesamtarchivs der deutschen Juden, schrieb nach einer Informationsreise durch jüdische Gemeinden Südwestdeutschlands, daß die Spärlichkeit des damals noch auffindbaren Archivalienbestandes nicht nur mit Verfolgung und Vertreibung erklärt werden könne. Mehr noch "ist durch mangelndes Interesse, durch Sorglosigkeit und nicht sachgemässe Behandlung und Aufbewahrung" verloren gegangen. (4) Die jüdischen Gemeinden hatten andere Prioritäten als die detaillierte Dokumentation ihrer Geschichte. Jeder Versuch, den Weg der Juden durch die verschiedenen Stationen ihres Galuts sowohl in geistiger wie in materieller Hinsicht aufzuklären, ist deshalb zu großen Teilen auf Dokumente angewiesen, die im Kontakt mit der jeweiligen nichtjüdischen Umgebung entstanden sind und auch von dieser überliefert wurden. Die Juden teilen dieses historiographische Schicksal mit anderen gesellschaftlichen Randgruppen. In der Regel informieren die aus der Wechselwirkung zwischen Außenseitern und dem gesellschaftlichen Zentrum entstandenen Dokumente mehr über das Zentrum als über die Randgruppe.(5) So belegen die aus dem letzten europäischen Jahrtausend überlieferten Quellen zur Geschichte der Juden nur allzu reichlich, auf welche Weise die christliche Gesellschaft ihre Distanz zu ihnen definiert und durchgesetzt hat, und welchen Tribut an Geld und Blut sie für ihre Präsenz zu entrichten hatten. Nachrichten über das innere Leben der jüdischen Gemeinschaft sind dagegen vergleichsweise selten. Bis zu welcher Absurdität sich die Quellenlage zuspitzen kann, hat Yves Dossat anläßlich einer Studie über die mittelalterliche Gemeinde in Toulouse treffend formuliert: "Notre documentation offre quelque chose de paradoxal: la communauté juive n'apparaît en pleine lumière qu'après sa dispersion. C'est surtout à propos de la liquidation de ses bien qu'il est question d'elle." (6) Solange man die Juden in Ruhe läßt, gibt es meist auch keine besondere Veranlassung, etwas über sie in ihrer Eigenschaft als Juden schriftlich zu fixieren. Erst die Bedränger entwickeln Bürokratie und bilden Akten. Es verhält sich in dieser Hinsicht so ähnlich wie mit den auf Juden bezogenen Gesetzestexten, zu denen Wilhelm von Humboldt anmerkte, die Juden würden keine umfangreichen Ausarbeitungen erwarten, ihnen genüge ein einziger Satz, in dem die Gleichstellung ihrer Rechte zum Ausdruck gebracht werde. (7) Wenn Menschen und Menschengruppen den Wunsch entwickeln, ihren wechselseitigen Umgang durch eine ausgedehnte Schriftlichkeit zu regeln, dann ist das im allgemeinen kein Zeichen für Verständnis und Vertrauen, sondern für eine Atmosphäre, die geprägt ist von Forderungen, Verpflichtungen, Eingrenzungen und Mißtrauen. Man schreibt etwas auf, um es später als Beweis benutzen zu können. Da, wo Menschen friedlich miteinander verkehren oder im Einvernehmen handeln, bedarf es keines Beweises. Freilich, Schreiben dient auch der Überbrückung von Entfernung, wie etwa beim Brief, oder der Unterstützung des Gedächtnisses, wie etwa beim Tagebuch. Aber die Masse der von Archiven verwahrten Schriftstücke stammt aus Amtsstuben. (8) Die Logik der Verschriftlichung, und in gleicher Weise die Logik des der Aufbewahrung für würdig Befindens, (9) führt schon zu erheblichen Einengungen und Disproportionen hinsichtlich des Informationsgehalts der überlieferten Quellen. So muß die Geschichte der Juden Europas größtenteils aus dem rekonstruiert werden, was ihre Widersacher über sie niedergeschrieben und zum Beweis gegen sie aufgehoben haben. Eigentlich ein Unterfangen, das zum Scheitern verurteilt sein sollte. Wie weit man jedoch kommen kann, wenn man diese Aufzeichnungen nur richtig zu lesen versteht, hat erst unlängst Gerd Mentgen wieder eindrucksvoll vorgeführt. In einem monumentalen Werk hat er die Geschichte der Juden im mittelalterlichen Elsaß dargestellt, dabei hauptsächlich auf Siedlungsgeschichte, Wanderbewegungen, Wirtschaftsbeziehungen und antijüdische Verfolgungen geachtet, jedoch so gut wie ausschließlich aus Quellen christlicher Provenienz geschöpft, deren Fülle indes immens ist im Vergleich zu den nur in geringer Zahl vorhandenen und für das Elsaß meist nicht sehr ergiebigen jüdischen Quellen, auf deren Auswertung er verzichten mußte oder auf die Hilfe von Spezialisten angewiesen war. (10)

 

Sicher ist die Quellenlage ein wichtiger Faktor für die Auswahl eines Forschungsthemas. Wenn aussagekräftige Quellen nicht in hinreichender Zahl zur Verfügung stehen, kann man Geschichte nicht schreiben. Die Fragen an die Geschichte kommen jedoch nicht allein aus dem Material, sie nähren sich auch aus den Problemen der Gegenwart und der Entwicklung des historiographischen Denkens. Es gibt also auch umgekehrt die Suche nach geeigneten Quellen ausgehend von Themen oder Fragestellungen, denen sich eine bestimmte Historikergruppe glaubt widmen zu müssen. Zu den Themen, die in der neueren Zeit stärker in den Vordergrund getreten sind, gehört z.B. die Geschichte der Frauen, und vielleicht schon etwas länger auch die Geschichte der Juden. Nicht weil man ein Übermaß unausgeschöpfter Quellen gefunden hätte, werden diese Themen gewählt, sondern weil drängende Probleme der Zeit nach einer diskursiven Erweiterung verlangen. In Vorbereitung der eigentlichen historiographischen Arbeit hat man sich dabei zunächst des verfügbaren Quellenmaterials zu vergewissern. Zu einem großen Teil wird diese Arbeit von den einzelnen Historikern geleistet, die die fundierte Behandlung eines klar umrissenen zeitlichen, inhaltlichen oder geographischen Bereichs in Angriff nehmen wollen. Die gezielte Bereitstellung und Erschließung des zu einem etablierten Großthema gehörenden Quellenmaterials wird aber auch zunehmend von Archiven und anderen Spezialeinrichtungen oder auch nur lose gefügten wissenschaftlichen Vereinigungen übernommen.

 

Historische Kommission

Für die Geschichte der Juden in Deutschland setzte diese vorbereitende Erkundungsarbeit in größerem Stil vor gut hundert Jahren mit dem Programm der 1885 gegründeten Historischen Kommission für die Geschichte der Juden in Deutschland ein. Nach dem Vorbild der Monumenta Germaniae Historica und der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften sollte das einschlägige Quellenmaterial systematisch gesucht und für die Forschung nutzbar gemacht werden. Das Schicksal dieser Kommission (11) spiegelt die ganze Problematik der Quellenlage zur jüdischen Geschichte wieder. Bereits bei ihrer Konstituierung kam es zu einer Kraftprobe mit den jüdischen Gemeinden. (12) Angesiedelt beim Deutsch-Israelitischen Gemeindebund gehörten der Kommission neben den Vertretern des Gemeindebunds paritätisch jüdische und nichtjüdische Historiker an, der Vorsitz lag bei Harry Breßlau, einem anerkannten Mediävisten. Die akademische Kompetenz war dem Gremium nicht abzusprechen, aber vor allem zwei Punkte erregten den Unmut jüdischer Kreise, die Nichtberücksichtigung von Heinrich Graetz, des damals wohl populärsten jüdischen Historikers, als auch das offensichtliche Fehlen hebräischer Sprachkenntnis bei den Kommissionsmitgliedern. (13) Der vor allem von Breßlau mit Vehemenz verteidigte Vorsatz, die Erforschung der Geschichte der Juden auf die Grundlage sicherer Quellenkenntnis zu stellen, führte zwar zu einem bis dahin im Zusammenhang mit jüdischer Geschichte nicht gekannten Zugehen auf das überlieferte Quellenmaterial, war aber begleitet von einer Gereiztheit gegen alle historiographischen Tendenzen, die sich den Interessen einer bestimmten Gruppe zu sehr verpflichtet fühlten. Deshalb die Distanz zu Graetz und die Affinität zu deutschen Historikern bzw. weitgehend assimilierten Juden, die zwar geschult waren im Umgang mit amtlichen Schriftstücken, aber keinen Zugang zu Aufzeichnungen von jüdischer Hand hatten. Während die Kommission in bezug auf wissenschaftliche Objektivität keine Zugeständnisse machte, gelang es ihr dann doch, kompetente jüdische Gelehrte für die Edition hebräischer Quellentexte zu gewinnen, und somit der anfänglich geäußerten Kritik Rechnung zu tragen. Zum Schluß hat die Kommission fast mehr hebräische als deutsche bzw. lateinische Quellen erschlossen. Den Regesten (14) zur Geschichte der Juden im Fränkischen und Deutschen Reiche bis zum Jahre 1273 stehen die Hebräischen Berichte über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge (15) und das Martyrologium des Nürnberger Memorbuchs (16) gegenüber. Das ebenfalls zur Veröffentlichung gebrachte Judenschreinsbuch aus dem Stadtarchiv Köln enthält sowohl lateinische als auch hebräische Texte. (17) Und auch unvollendet gebliebene Projekte (18) wie Die historischen Gedichte der deutschen Juden oder Die Responsen der deutschen Rabbiner des Mittelalters bezogen sich auf hebräisches Quellenmaterial. Durch diese Ergebnisse waren schließlich beide Kontrahenten widerlegt, oder wenigstens in ihrer jeweiligen Extremität relativiert, Graetz, der nach seiner Nichtbeteiligung an der Kommission behauptet hatte, neue Quellen für die Geschichte der Juden in Deutschland gebe es ohnehin nicht mehr zu entdecken, und auch Breßlau, der davon überzeugt war, daß der Wert der hebräischen Quellen allgemein überschätzt werde, da sie nicht sehr zahlreich, zudem unbedeutend und nicht sehr alt seien. (19)

 

 

Auf Dauer konnte der Konflikt jedoch nicht wirklich entschärft werden. Wegen mangelnder finanzieller Unterstützung durch die Gemeinden mußte die Kommission zunächst 1892 das Erscheinen der von ihr bis dahin regelmäßig herausgegebenen Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland einstellen und zehn Jahre später ihre Tätigkeit dann schließlich ganz beenden. Nur mit dieser von außen auferlegten Beschränkung dürfte es zusammenhängen, daß der von dieser Kommission so energisch in Angriff genommene Zugang auf die archivischen Quellen im wesentlichen Programm blieb. Auch wenn wertvolle Einzelstücke aus Handschriftensammlungen oder Archiven ediert werden konnten, war es der Kommission nicht vergönnt, die enorme Arbeit des Herausfindens der auf Juden bezüglichen Dokumente aus den mit den Jahrhunderten immer umfangreicher werdenden Archivbeständen systematisch ins Werk zu setzen. Mit den Regesten wurde zwar im Sinne eines großen Plans im Dunkel der Zeiten begonnen. Der von der Kommission für die Zeit bis 1273 veröffentlichte Band konnte dann noch unter Benutzung gut ausgestatteter Bibliotheken vollständig aus bereits gedruckt vorliegenden Quellentexten erarbeitet werden. In dieser Zusammenfassung und streng chronologischen Anordnung lag zweifellos ein großer Gewinn für die Forschung. Für die Zeit nach dem 13. Jahrhundert wurde es jedoch schwieriger, ein erheblicher Teil des einschlägigen Materials war noch unveröffentlicht. Und als die Kommission die Fortsetzung der Regesten über das Jahr 1273 hinaus erörterte, mußte sie feststellen, daß ihre Mittel für die dazu erforderlichen archivalischen Reisen nicht ausreichten. (20)

 

Gesamtarchiv
Der Niedergang der Kommission war keineswegs gleichbedeutend mit einem Erlöschen der von ihr entwickelten Ideen und Konzepte. Durch Zusammenwirken von Bne Brith und Deutsch-Israelitischem Gemeindebund wurde 1905 das Gesamtarchiv der deutschen Juden gegründet, dessen Kuratorium jetzt nur noch aus jüdischen Mitgliedern bestand, (21) von denen einige auch schon bei der Historischen Kommission mitgewirkt hatten. So war gleichzeitig für Kontinuität als auch für größere Akzeptanz bei den Gemeinden gesorgt. Das Gesamtarchiv wurde dann auch kein Opfer innerer Konflikte, es ging erst in der NS-Zeit zusammen mit der Gemeinschaft unter, die es bis dahin trug. Kontinuität kam vor allem in der Beibehaltung und fortsetzenden Anwendung eines von der Kommission etablierten historiographischen Grundsatzes zum Ausdruck. Jüdische Geschichte, die bis dahin relativ unabhängig von der jeweiligen Umgebung und von den materiellen Existenzbedingungen im wesentlichen als innerjüdische Geistesgeschichte behandelt wurde, sollte nun verstärkt als Teil der allgemeinen deutschen Geschichte dargestellt werden. (22) Man konnte nicht mehr daran glauben, daß die geistige Haltung auf der einen Seite und die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Lebensbedingungen der Juden auf der anderen Seite ohne Wechselwirkung geblieben sind. (23) Abgesehen von diesem wissenschaftlichen Erkenntnisziel standen hinter einem solchen Programm auch ausgesprochen assimilatorische Absichten. Der führende Kopf der Historischen Kommission, Harry Breßlau, war bekannt für seine militante Deutschtümelei, am Ende seines Lebens wurde er dafür aus dem wieder französisch gewordenen Elsass ausgewiesen. (24) Und Martin Philippson, Kuratoriumsvorsitzender des Gesamtarchivs, Professor für Geschichte und Vorsitzender des Deutsch-Israelitischen Gemeindebunds, äußerte in einer Rede anläßlich der Eröffnung neuer Räume, daß es bei der Archivarbeit darum gehe zu zeigen, wie die jüdische Gemeinschaft sich "der vaterländischen Kulturentwicklung anschließt und unterordnet". (25) Auch der damalige Leiter des Gesamtarchivs, Eugen Täubler, hielt es aus gleichem Anlaß für angebracht, das "allmähliche Verwachsen der jüdischen Schicht mit dem deutschen Volkskörper" als die Quintessenz der historischen Forschung zu bezeichnen. (26) In einem derartigen historiographischen Klima konzipierte Täubler ein ganzes Programm zum Aufbau einer Ergänzungsdokumentation. Wenn auch die eigentliche raison d'être des Gesamtarchivs in seiner Eigenschaft als zentraler Sammelstelle für Altregistraturen jüdischer Gemeinden und Verbände lag, gingen Täublers Bestrebungen weit darüber hinaus. Indem er mehr als Historiker denn als Archivar dachte, ließ er sich von dem Wunsch leiten, das Gesamtarchiv zu einem Ort zu machen, von dem aus die "urkundlichen Grundlagen für eine Geschichte der Juden in Deutschland" in ihrer Gesamtheit überblickt werden können. So daß sich das Gesamtarchiv von Anfang an darum bemühte, eine "Übersicht über das in anderen Archiven und Registraturen liegende Material zur Geschichte der Juden in Deutschland zu gewinnen". (27) Das Material aus jüdischer Hand, welches das Gesamtarchiv in seinen Gewahrsam übernehmen konnte, reichte bis auf ganz wenige Ausnahmen allenfalls bis zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück, für das Mittelalter mußte die Ergänzungsarbeit also zur Hauptarbeit werden. Mit seinem Plan, ein Urkundenbuch zur Geschichte der Juden in Deutschland im Mittelalter zu veröffentlichen, versuchte Täubler 1913 dort einzusetzen, wo die Historische Kommission zwanzig Jahre früher hatte aufhören müssen. (28) Zur Vorbereitung wurde im Archiv ein Regestenkatalog angelegt und die Sammlung von Abschriften und fotografischen Kopien all solcher Urkunden begonnen, in denen Juden oder jüdische Verhältnisse erwähnt werden. Dieses gewaltige Projekt ist über Vorstudien nicht hinausgekommen, bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde es zurückgestellt und später, nach dem Weggang Täublers, nicht mehr aufgegriffen. Erst ein halbes Jahrhundert später sind Brilling und Richterling auf diesen Plan zurückgekommen, (29) allerdings unter Beschränkung auf Westfalen und auf die Zeit bis 1350. Die territoriale und zeitliche Eingrenzung, mitunter auch die Konzentration auf die Überlieferung eines einzigen Staatsarchivs hatte sich als das Machbare erwiesen. Auch ohne die Ungunst der Zeit wäre Täublers Plan zum Scheitern verurteilt gewesen, er hatte "in seiner Begeisterung den Umfang des zur Verfügung stehenden Quellenstoffs nicht übersehen". (30)

 

Wie groß der Aufwand in diesem Arbeitsgebiet ist, um wenigstens zu soliden Teilergebnissen zu gelangen, zeigt die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg. Es bedurfte des Anstoßes, der von dem Handbuchprojekt Germania Judaica ausging, (31) es bedurfte der Central Archives for the History of the Jewish People, die in Jerusalem als zentrale Sammelstelle fungierten, und es bedurfte kompetenter und kooperationswilliger deutscher Archivare, die ihrerseits Organisationen schufen, die dann die Herausgabe der schließlich erarbeiteten Regestenbände besorgten. So veröffentlichte die Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen 1989 das von Uta Löwenstein bearbeitete dreibändige Regestenwerk "Quellen zur Geschichte der Juden im Hessischen Staatsarchiv Marburg 1267-1600". Einige Jahre später veröffentlichte die gleiche Kommission die von Friedrich Battenberg bearbeiteten "Quellen zur Geschichte der Juden im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt 1080-1650". Und die 1988 gegründete Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden eröffnete die Reihe ihrer Quellenpublikationen 1996 mit den von Dietrich Andernacht bearbeiteten dreibändigen "Regesten zur Geschichte der Juden in der Reichsstadt Frankfurt am Main von 1401-1519".

 

Es würde im Rahmen der hier beabsichtigten Übersicht zu weit führen, die im Laufe der Jahrzehnte immer zahlreicher werdenden Editionen von Quellentexten oder gar alle Arbeiten, die auf einer gründlichen Auswertung der für ihr jeweiliges Thema erreichbaren Quellen beruhen, zu erwähnen. Es kann nur darum gehen, die Entstehung und erste Ausformung von Entwicklungslinien aufzuzeigen. Der neue Ernst im Umgang mit den Quellen manifestierte sich zunächst bei den Studien zur Geschichte der Juden im Mittelalter und den entsprechenden Dokumentations- und Publikationsformen, weshalb diese bisher im Vordergrund der Betrachtung standen. Von nun an sollen vor allem solche Unternehmungen weiterverfolgt werden, bei denen es in einem von unmittelbaren Forschungsarbeiten losgelösten Ansatz um den systematischen Nachweis von Quellen geht, ohne daß damit gleich ein Editionsprojekt oder die Regestierung von Urkunden verbunden wäre. Die Notwendigkeit derartiger Spezialinventare ergab sich vor allem für die neuzeitliche Geschichte aus der quantitativen Zunahme des Quellenmaterials bei gleichzeitiger Diversifikation und dementsprechender Zersplitterung über eine Vielzahl von Provenienzbeständen. Erste eindrucksvolle Ergebnisse wurden zu Beginn des Jahrhunderts in den Mitteilungen des Gesamtarchivs veröffentlicht, nachdem sich Täubler zu derartigen Inventarisierungsprojekten programmatisch bekannt hatte. Den Anfang machte 1910 eine Übersicht über den jüdisch-geschichtlichen Inhalt des Königl. Staatsarchivs zu Hannover, (32) das von Mendel Zuckermann, dem Bibliothekar (33) der dortigen jüdischen Gemeinde erarbeitet worden war. Dieses etwa siebzig Druckseiten füllende Spezialinventar, in dem vor allem Akten aus dem 18. und 19. Jahrhundert nachgewiesen werden, bildete dann mehr als ein halbes Jahrhundert später den Ausgangspunkt für eine wesentlich umfangreichere Zusammenstellung der Judengeschichtlichen Quellen im Niedersächsischen Hauptstaatsarchiv Hannover, die bisher allerdings nur als Schreibmaschinenmanuskript vorliegt. (34) Schon im nächsten Jahrgang seiner Mitteilungen veröffentlichte das Gesamtarchiv dann ein Verzeichnis der Auf Juden bezüglichen Akten des Kgl. bayerischen Kreisarchivs der Oberpfalz in Amberg, das von ähnlichem Umfang war und seinen Schwerpunkt im 18. Jahrhundert hat. (35) Wieder ist der Verfasser ein jüdischer Gelehrter. Es handelt sich um Rabbiner Dr. Magnus Weinberg, damals Bezirksrabbiner der Oberpfalz, der durch zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der Juden in der Oberpfalz, zum hebräischen Buchdruck und zu Memorbüchern hervorgetreten ist. (36) Und auch die dritte etwas umfangreichere Übersicht stammt von einem Vertreter der jüdischen Gemeinschaft. Dr. Adolf Warschauer, damals wohl der einzige jüdische Beamte im preußischen Archivwesen, (37) war während des Ersten Weltkriegs für die ehemals russischen Staatsarchive in Warschau zuständig. Die ihm von den deutschen Besatzungsbehörden aufgetragene Durchsicht der vorgefundenen Bestände nach Materialien zur deutschen und preußischen Geschichte nutzte Warschauer, der dem Kuratorium des Gesamtarchivs seit dessen Gründung angehörte, zu einer ersten Bestandsaufnahme von Akten zur Geschichte der Juden in den früheren preußischen Ostprovinzen. (38) Auch Jacob Jacobson, der nach dem Weggang Täublers 1919 die Leitung des Gesamtarchivs übernommen hatte, hielt an der eingeschlagenen Richtung fest. Zwischen 1932 und 1935 hat er Übersichten über Quellen zur jüdischen Geschichte in den preußischen Staatsarchiven Magdeburg, Osnabrück, Stettin und im Geheimen Preußischen Staatsarchiv Berlin-Dahlem zusammengestellt. (39) Wegen der staatlichen Zensur konnten sie in dem geplanten siebenten Band der Mitteilungen des Gesamtarchivs dann ebensowenig erscheinen wie die Arbeit über Judenakten aus dem Stadtarchiv Breslau von Rabbiner Bernhard Brilling, (40) der damals am Schlesisch-jüdischen Provinzialarchiv tätig war. (41) Während Brilling im Breslauer Stadtarchiv inventarisierte, hatte Dr. E. Klibansky mit der Durcharbeitung der Bestände des Breslauer Staatsarchivs begonnen, beide hatten ihren Auftrag noch vor 1933 vom Gesamtarchiv erhalten. (42)

 

Versucht man für das erste Drittel dieses Jahrhunderts die veröffentlichten wie die unveröffentlichten bzw. auch unvollendet gebliebenen Spezialinventare zu überblicken, so muß man feststellen, daß das Gesamtarchiv der wichtigste wissenschaftliche Ort war, von dem aus die Erarbeitung von Spezialinventaren in Deutschland organisiert wurde. Einige bemerkenswerte Initiativen gingen auch von anderen jüdischen Organisationen aus. So beauftragte 1927 der Bayerische Israelitische Gemeindeverband Raphael Straus, in den süddeutschen und österreichischen Archiven Dokumente zur Geschichte der Juden in Bayern zu sammeln. (43) Seit 1920 war Selma Stern im Auftrag der neugegründeten Akademie für die Wissenschaft des Judentums mit der Publikation von Akten zur Geschichte der Juden in Preußen beschäftigt, (44) und auch die 1908 einsetzenden Quellenpublikationen der Historischen Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde Wien wären in diesem Zusammenhang zu nennen. (45) Das Gesamtarchiv war nicht die einzige jüdische Institution, von der Programme zur Erschließung des für die Geschichte der Juden in Deutschland einschlägigen Quellenmaterials ausgingen, aber von ihm wurde am konsequentesten die Erarbeitung von Spezialinventaren gefördert. Die anderen Unternehmungen mündeten eher in Regestenwerke oder Editionsprojekte.

 

NS-Zeit

Und noch eine Beobachtung verdient festgehalten zu werden. Auch wenn das Gesamtarchiv in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens von der preußischen Archivverwaltung durchaus unterstützt wurde, (46) ist damals kein einziges Spezialinventar zur Geschichte der Juden von deutschen Archivaren erarbeitet worden. Dies blieb der NS-Zeit vorbehalten. So wie die Entstehung eines Schriftstücks und die Entscheidung über seine Aufbewahrung nicht immer im Interesse der Juden lag, ebenso können Programme der Inventarisierung von "Judenbetreffen" von ihren ärgsten Widersachern ersonnen und durchgeführt werden. Aber ebenso wie die Quellen selbst können auch die unter derartigen Umständen erarbeiteten Spezialinventare später der historischen Forschung von Nutzen sein, wenn man sie nur richtig zu verwenden versteht. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß gerade diesen Spezialinventaren nach dem Zusammenbruch des NS-Systems die besondere Aufmerksamkeit der in Europa tätigen Abgesandten amerikanisch-jüdischer bzw. auch israelischer Archive und Forschungseinrichtungen galt. Ihre Entstehung kann im Rahmen dieser Übersicht nur flüchtig skizziert werden. Bereits am 11. Juli 1933 beauftragte der Generaldirektor der staatlichen Archive Bayerns die ihm unterstellten Archive, an Hand der Repertorien ein Verzeichnis der "für die Geschichte der Juden einschlägigen Archivalien" zu erarbeiten. (47) Besonderer Wert wurde auf genaue Ermittlung der einschlägigen Materialien aus der Zeit 1770-1870 gelegt. Wie der Generaldirektor in seinem Zirkular anmerkt, wurde diese Erhebung vom Münchener Beauftragten des Sachverständigen für Rassenforschung beim Reichsministerium des Innern veranlasst. Die Preußische Archivverwaltung reagierte auf die neuen politischen Verhältnisse deutlich später. Abgesehen von einigen Vorläufern zu Beginn der 30er Jahre, so z.B. im Staatsarchiv Aurich (48) und im (damaligen) Staatsarchiv Düsseldorf (49) setzte die systematische Erhebung aller Akten zur "Geschichte der Judenfrage" hier erst im Jahre 1937 ein. Der Generaldirektor der Preußischen Staatsarchive bezieht sich in seinem entsprechenden Runderlaß vom 18. Januar 1937 auf Pläne der 1936 geschaffenen Forschungsabteilung Judenfrage beim Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschlands. Vorgesehen war eine "Gesamtübersicht über die Judaica-Bestände der deutschen Archive". Auch die preußischen Archivare sollten im wesentlichen Auszüge aus bereits vorhandenen Findmitteln anfertigen und die derart zusammengestellten Spezialinventare bereits bis zum 1. Oktober desselben Jahres in dreifacher Ausfertigung abliefern. Ein Exemplar war für das Reichsinnenministerium, ein Exemplar für die genannte Forschungsabteilung und ein Exemplar zum Verbleib bei der Preußischen Archivverwaltung bestimmt. (50) Auch wenn bei dieser Aktion die erstrebte Vollständigkeit nicht erreicht wurde, sind doch von folgenden Staatsarchiven Zusammenstellungen vorgelegt worden: Aurich, Breslau, Düsseldorf, Hannover, Kiel, Koblenz, Königsberg, Magdeburg, Münster, Osnabrück, Sigmaringen, Stettin, Wiesbaden und Geheimes Staatsarchiv Berlin-Dahlem. (51) Bei der Kürze der Zeit und der fast ausschließlichen Verwendung bereits vorhandener Findbücher mußten diese Spezialinventare im Vergleich zu heutigen Anforderungen zwangsläufig recht oberflächlich bleiben. Trotzdem waren damit Hilfsmittel zum Nachweis von archivischen Quellen geschaffen worden, wie sie bis dahin insbesondere für die Neuzeit in dieser Breite nicht zur Verfügung standen.

 

Mordechai Bernstein

Als erster ist nach dem Krieg Mordechai Bernstein auf diese Inventare aufmerksam geworden. Bernstein hatte sich im September 1948 aus Polen kommend als Bibliothekar in Stuttgart niedergelassen, von wo aus er im Auftrag des YIVO Ausschau nach Quellenmaterial hielt. (52) (YIVO ist die Abkürzung für ein 1925 in Wilna gegründetes Institut zur Erforschung der jüdischen Geschichte, das seinen Sitz während der Krieges nach New York verlegen mußte.) Bernsteins Wirksamkeit in Deutschland erstreckte sich über einen Zeitraum von gut drei Jahren. Im Januar 1952 ging er nach Argentinien, um dort als Lehrer an einer jüdischen Schule tätig zu werden. Erst 1962 übersiedelte er nach New York. Für das YIVO hatte er in Deutschland umfangreiche Originalunterlagen aus jüdischen DP-Lagern und eine Sammlung von insgesamt 81 Spezialinventaren (53) erworben. Eine weitere Sammlung von insgesamt 115 Spezialinventaren befindet sich als Bestandteil des Bernstein Nachlasses im Archiv der Yeshiva University, ebenfalls in New York. (54) Die beiden Sammlungen enthalten zu großen Teilen dieselben Inventare. Beim YIVO liegen neun Spezialinventare, die in der Sammlung der Yeshiva University nicht vertreten sind. Dafür gehören zur Sammlung der Yeshiva University auch etliche Inventare, die sich auf Akten jüdischer Provenienz beziehen, welche nach 1938 in die Staatsarchive gelangten und in den 50er Jahren dann meist nach Israel abgegeben wurden, also im eigentlichen Sinn keine Spezialinventare. Von zahlreichen Inventaren besitzt die Yeshiva University mitunter bis zu drei Schreibmaschinendurchschläge, nur in wenigen Fällen jedoch das Originaltyposkript. Beim YIVO ist von jedem Spezialinventar nur jeweils ein Exemplar vorhanden, in der Regel ein Schreibmaschinendurchschlag. Um zu diesem Sammelergebnis zu kommen, hat Bernstein sehr umfassende Recherchen angestellt. Bereits im Mai 1950 hatte er, einem Pressebericht zufolge, 280 Archive besucht. (55) Besonders gründlich hat er in seiner näheren Umgebung gearbeitet. Allein aus den Staatsarchiven in Ludwigsburg und Stuttgart sind 17 Verzeichnisse in die Sammlung des YIVO gelangt. Es sieht so aus, als ob in den meisten Fällen die Inventare der 30er Jahre auf Bernsteins Bitte hin einfach nochmal abgeschrieben wurden. Angetrieben von einem Bedürfnis geistiger Wiedergutmachung hatten sich einige Archive jedoch schon bald nach Kriegsende an eine Neubearbeitung der NS-Inventare gemacht, diesmal "unter entgegengesetztem Vorzeichen", wie etwas hilflos im Vorwort zu einer späteren Veröffentlichung formuliert wurde. (56) Vermutlich hat Bernsteins Nachfrage an dem einen oder anderen Ort dazu einen Anstoß gegeben. Für das Staatsarchiv Münster geht ein solcher Zusammenhang deutlich aus der Dienstregistratur hervor. (57) Das dort im März 1952 fertiggestellte Spezialinventar konnte Bernstein, der inzwischen nach Argentinien verzogen war, nicht mehr übergeben werden. Es wurde dann 1955 Rabbiner Bernhard Brilling ausgehändigt, der es an die heutigen Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem weiterleitete. (58) Brilling war bis 1938 am Schlesisch-jüdischen Provinzialarchiv in Breslau tätig, übernahm nach seiner Auswanderung das Stadtarchiv Tel-Aviv und kam 1955/56 zu einer größeren archivischen Studienreise nach Deutschland, bevor er sich 1957 dauerhaft in Münster niederließ. (59) Gleich 1956 hat Brilling über die Ergebnisse seiner Reise durch deutsche Archive im neugegründeten Year Book des Leo Baeck Instituts berichtet. Auch wenn er mehr auf den Inhalt der noch vorhandenen Archivalien als auf die Hilfsmittel zu ihrer systematischen Auffindung eingeht, sind seine Bemerkungen zu den Spezialinventaren aufschlußreich. Zu Beginn seines Berichts, nach Erwähnung der wichtigsten Quellengruppen zur Geschichte der Juden, heißt es: "Lists of these sections were already compiled by the Nazis and are being completed today." (60) Mit Ausnahme des bereits erwähnten Spezialinventars für Münster nennt er aber keine anderen Fälle von Neubearbeitung in den ersten Nachkriegsjahren. Da Brilling vor allem den Norden und Westen der Bundesrepublik besucht hat, nicht aber Bayern oder die DDR, waren ihm einige Arbeiten der Nachkriegszeit nicht zur Kenntnis gelangt. So ist im Stadtarchiv Nürnberg 1949 ein Spezialinventar fertiggestellt worden, das allem Anschein nach nicht auf Vorarbeiten aus der NS-Zeit sondern auf eine in den Dienstakten nachweisbare Anregung Bernsteins zurückgeht. (61) Es muß einer gründlicheren Untersuchung vorbehalten bleiben, das Verhältnis zwischen diesen beiden Komponenten genauer zu bestimmen. Hier können einstweilen nur Beispiele aufgeführt werden, die immerhin deutlich machen, daß die Erarbeitung von Spezialinventaren zur Geschichte der Juden aus den unterschiedlichsten Motiven heraus erfolgt ist. Über tiefgreifende politische Brüche hinweg konnten in methodischer Hinsicht Werkzusammenhänge entstehen, die später nur zögernd oder gar nicht eingeräumt wurden.

 

DDR

Und auch die deutsche Teilung war zunächst für die Inventarisierung der "Judenbetreffe" keine Demarkationslinie. Bereits 1952 hatte Dr. Adelheid Constabel eine 429 Seiten umfassende Sammlung von Quellen zur Geschichte der deutschen Juden vorgelegt, die sich vor allem auf Bestände des Deutschen Zentralarchivs in Merseburg, des Landeshauptarchivs Brandenburg und einiger Stadtarchive auf dem Gebiet der DDR bezog. Auch wenn die umfangreichen Aktenrückführungen aus der Sowjetunion im Laufe der fünfziger Jahre in dieser Aufstellung unberücksichtigt blieben (62) und sie nie veröffentlicht und in Anbetracht der Zugangsbedingungen und Forschungsprioritäten in der DDR wahrscheinlich auch nicht sehr häufig verwendet wurde, ist ihre Entstehung als solche eine bemerkenswerte Tatsache. Abgesehen von Bernsteins vielfältigen und zielstrebigen Aktivitäten stellt Constabels Inventar das am weitesten ausgreifende Projekt zur Erschließung des für die Geschichte der Juden einschlägigen Quellenmaterials im Nachkriegsdeutschland dar. Im Ostteil des geteilten Deutschland kam diese Tätigkeit bald zum Erliegen. Erst zum Ende ihrer selbständigen staatlichen Existenz vollzog die DDR eine Wende in ihrer Politik gegenüber Juden und jüdischer Vergangenheit, so daß auch den Quellen zur jüdischen Geschichte wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden konnte. So begann 1987 in Merseburg (63) Frau Dr. Meta Kohnke anknüpfend an die Arbeit ihrer früheren Kollegin Constabel mit einer völligen Neubearbeitung der älteren Bestände des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz, zunächst noch außerdienstlich, (64) später jedoch als Teil des großangelegten Programms zur Erschließung der Quellen zur Geschichte der Juden in den Archiven der neuen Bundesländer, das unmittelbar nach der Wiedervereinigung vom New Yorker Leo Baeck Institut initiiert und von der Bundesrepublik großzügig mit Drittmitteln unterstützt wurde. Nach der im Rahmen dieses Projekts 1996 veröffentlichten allgemeinen Bestandsübersicht (65) für alle Archive des Territoriums war Kohnkes Arbeit dann im März 1999 das erste umfangreiche Spezialinventar, das von der Projektgruppe der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte. (66)

 

Bundesrepublik

Während in der ehemaligen DDR nach dem verheißungsvollen Anfang durch Adelheid Constabel lange gar nicht, und dann gleich flächendeckend inventarisiert wurde, war in der alten Bundesrepublik ein seit Kriegsende stetig an Umfang und Intensität wachsendes Bemühen um die Inventarisierung der Quellen zur Geschichte der Juden zu beobachten. Das Schleswig-Holsteinische Landesarchiv hat mit der Verzeichnung seiner Judaica 1963 begonnen, (67) das Niedersächsische Hauptstaatsarchiv hatte sein Spezialinventar 1977 beendet. (68) In beiden Fällen entstanden mehrbändige Werke, die allerdings Manuskript blieben und nur vor Ort konsultiert werden konnten. In den 80er Jahren wurde dann die Schwelle zur Buchveröffentlichung überschritten. Als erstes konnte die Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz 1982 in Verbindung mit dem Landesarchiv Saarbrücken ein mehrbändiges Inventar vorlegen, das für die Zeit von 1800 bis 1945 die einschlägigen Akten in den Archiven der beiden Bundesländer nicht nur durch einen kurzen Titel, sondern in Form einer eingehenden Inhaltsanalyse erschließt. (69) Das Staatsarchiv Münster publizierte fast gleichzeitig eine überarbeitete und erweiterte Fassung des bereits 1937 begonnenen und 1951 erstmals ergänzten Spezialinventars, das sich vor allem auf Akten aus dem 18.-20. Jahrhundert bezieht. (70) Und für das Hessische Hauptstaatsarchiv wurde 1997 ein außerordentlich gründlich gearbeitetes Spezialinventar zu den Beständen aus den Jahren 1806-1866 veröffentlicht. (71) Im Unterschied zu den Staatsarchiven haben die Stadtarchive ihre Quellen bisher nur in Ausnahmefällen durch regelrechte Spezialinventare erschlossen. So war z.B. vom Stadtarchiv Nürnberg 1997 ein sachthematisches Inventar in digitalisierter Form zu erhalten, das als Ausdruck einen Umfang von 252 Seiten hat und sich auf seine sämtlichen Bestände bezieht. Häufiger neigen Stadtarchive zur Ausarbeitung gediegener lokalgeschichtlicher Darstellungen, die nicht nur in den Fußnoten oder Quellenverzeichnissen, sondern mitunter auch in eigens dafür eingerichteten Abschnitten die einschlägigen Dokumente verzeichnen, wie z.B. bei der entsprechenden Publikation des Stadtarchivs Aachen. (72) In kleineren Kommunalarchiven liegen häufig Titellisten vor, die nur wenige Schreibmaschinenseiten füllen, und als Vorstudien für richtige Spezialinventare betrachtet werden können. Das 1987 in Heidelberg eingerichtete Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland hat es sich zur Aufgabe gemacht, die immer zahlreicher werdenden Spezialinventare oder Vorformen davon zu sammeln und diese Sammlung durch ein inzwischen über Internet erreichbares "Verzeichnis der Verzeichnisse" der interessierten Öffentlichkeit übersichtlich zu präsentieren. (73)

 

Für die Suche nach den Quellen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit ging Mitte der siebziger Jahre ein zusätzlicher Impuls von den Vorbereitungsarbeiten für Band 3 der Germania Judaicaaus. Der Anfang zu diesem Jahrhundertprojekt wurde 1903 von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums gemacht. Nach Orten gegliedert sollte die Geschichte der Juden im Deutschen Reich an Hand der Quellen knapp und gemeinverständlich dargestellt werden. (74) Band 1, der in vollständiger Form erst 1934 erscheinen konnte, behandelte die Zeit bis 1238, Band 2, der unter völlig veränderten politischen und organisatorischen Bedingungen 1968 erschien, setzte die Niederlassungsgeschichte dann bis 1350 fort. Für Band 3 waren die nachfolgenden anderthalb Jahrhunderte bis zum Ausgang des Mittelalters vorgesehen. Arye Maimon, der im Auftrag der Hebräischen Universität Jerusalem die Herausgabe von Band 3 vorbereitete, veranstaltete in 80 mitteleuropäischen Archiven eine regelrechte "Judenurkundenenquête". (75) Nach einheitlichen Regeln wurden Urkundenregesten erarbeitet, welche dann zusammen mit Fotografien der ermittelten Dokumente nach Jerusalem gesandt wurden, wo sie in den Central Archives for the History of the Jewish People die Grundlage für ein Gesamtinventar aller Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland bilden sollten. (76) Da die Fortsetzung des Handbuchs bis 1650 geplant war, setzte diese von Jerusalem ausgehende Nachfrage in mehreren deutschen Archiven Inventarisierungsprojekte bis zu dieser Zeitgrenze in Gang, die später mitunter zu eigenständigen Buchveröffentlichungen erweitert wurden. Es war davon weiter oben bereits die Rede. (77)

 

Im Laufe der Zeit wurde die Erarbeitung von Spezialinventaren immer gründlicher, systematischer und umfassender betrieben. Man verließ sich immer weniger auf die vorgefundenen Titelaufnahmen in den allgemeinen Repertorien. Mehr und mehr wurden die einschlägigen Akten eigens für das beabsichtigte Spezialinventar mit großer analytischer Tiefe neu verzeichnet. (78) Der Übergang von Regesten zu Titelaufnahmen wurde fließend. Immer weniger blieben Spezialinventare ein Provisorium in Manuskriptform lediglich zur Einsichtnahme im Archiv selbst bestimmt. Der zur Perfektionierung und Veröffentlichung erforderliche Aufwand nahm deutlich zu. Wurden Spezialinventare früher noch von Archivaren oder Geschichtsforschern in knapper Form nebenbei produziert, so werden inzwischen von großen Stiftungen ganze Arbeitsgruppen über Jahre hinweg ausschließlich für die Anfertigung derartiger Inventare finanziert. Die jüngsten Beispiele solcher Großprojekte, die sich inzwischen nicht mehr auf die Bestände eines Archivs sondern auf die Gesamtheit der Archive einer historischen Landschaft beziehen, sind am Staatsarchiv Oldenburg und an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt. In dem ersten Fall geht es darum, die Quellen zur Geschichte und Kultur des Judentums im westlichen Niedersachsen vom Mittelalter bis 1945 durch ein sachthematisches Inventar zu erschließen. Dieses Vorhaben, an dem insgesamt fünf Archivare und Historiker beteiligt sind, ist im Herbst 1996 begonnen worden. (79) Das Berliner Projekt versteht sich sowohl personell als auch methodisch als Fortsetzung der vom Leo Baeck Institut gesteuerten Inventarisierung in den Archiven der ehemaligen DDR. Geplant ist nunmehr die Inventarisierung der Quellen zur Geschichte der Juden in den früheren (1772-1939) preußischen Ostprovinzen Pommern, Westpreußen, Ostpreußen, Posen, Schlesien, sofern sie sich heute in polnischen Archiven befinden. Eine Arbeitsgruppe von vier wissenschaftlichen Mitarbeitern möchte diese Arbeit in drei Jahren bewältigen. (80) Schon jetzt zeichnet sich ab, daß hierfür mehr Mitarbeiter und wahrscheinlich auch mehr Zeit benötigt werden.

 

Nach dem hier versuchten kurzen Überblick über die mehr als hundertjährigen Bemühungen um die Inventarisierung von Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland kann kein Zweifel daran bestehen, daß die gegenwärtig in Arbeit befindlichen Vorhaben sowohl in der Systematik des Vorgehens als auch im Grad der Institutionalisierung ein neues Niveau erreicht haben. Die Inventarisierung hat sich auch im jüdischen Bereich immer mehr von der unmittelbaren Forschungsvorbereitung gelöst und ist zu einer relativ unabhängigen Spezialbeschäftigung geworden, die ihre eigenen Methoden und organisatorischen Strukturen ausformt.

Anmerkungen

(1) Jeremias 32.14
(2) Einen Überblick über die Ansätze zum Aufbau eines jüdischen Archivwesens gibt der Artikel: Archiveund Archivwesen. In: Encyclopaedia Judaica. Bd. 3. Berlin 1929, Sp. 236-295.
(3) Siehe z.B. den Essay von Yosef Hayim Yerushalmi: Sachor, Erinnere Dich. Jüdische Geschichte und jüdisches Gedächtnis. Aus dem Amerikanischen von W. Heuss. Berlin 1988.
(4) Ezechiel Zivier: Eine archivalische Informationsreise. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. 49(1905), S. 209-254, Zitat S. 251.
(5) Siehe z.B. Jean-Claude Schmitt: Die Geschichte der Außenseiter. In: Die Rückeroberung des historischen Denkens. Grundlagen der Neuen Geschichtswissenschaft. Hrsg. v. Jacques Le Goff, Roger Chartier und Jacques Revel. Aus dem Französischen von Wolfgang Kaiser. Frankfurt 1990, S. 201-243, insbes. S. 235f.
(6) Yves Dossat: Les Juifs à Toulouse: un demi-siècle d'histoire communautaire. In: Juifs et judaïsme de Languedoc, XIIIe siècle - début XIVe siècle. Hrsg. v. Marie-Humbert Vicaire et Bernhard Blumenkranz. Paris 1977, S. 117-139, Zitat S. 117. Das Zitat läßt sich etwa folgendermaßen ins Deutsche übersetzen: Die Quellenlage bringt ein Paradox zum Ausdruck: Die jüdische Gemeinde erscheint im vollen Licht erst nachdem sie auseinandergetrieben wurde. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Verkauf ihrer Vermögenswerte ist von ihr die Rede.
(7) W. v. Humboldt: Über den Entwurf zu einer neuen Konstitution für die Juden [1809]. In: Wilhelm von Humboldt, Werke in fünf Bänden, hrsg. v. Andreas Flitner und Klaus Giel. Stuttgart 1964, S. 95-112, insbes. S. 104.
(8) Zum quantitativen Verhältnis von obrigkeitlichen Akten und jüdischer Privatkorrespondenz siehe z.B. Bernd-Wilhelm Linnemeier und Rosemarie Kosche: Jüdische Privatkorrespondenzen des mittleren 16. Jahrhunderts aus dem nordöstlichen Westfalen. In: Aschkenas. 8(1998)2, S. 275-324, insbes. S. 277.
(9) Welche Gründe für die königliche Anordnung vermutet werden können, mit der die elsässischen Juden zu Beginn des 18. Jahrhunderts verpflichtet wurden, ihre hebräisch geschriebenen Eheverträge beim Notar zu hinterlegen, kann man nachlesen bei André Aaron Fraenkel: Mémoire juive en Alsace. Contrats de mariage au XVIIIème siècle. Strasbourg 1997, p. XIII f.
(10) Gerd Mentgen: Studien zur Geschichte der Juden im mittelalterlichen Elsaß. Hannover 1995, 718 S. Siehe insbesondere das Kapitel: Methodologische Überlegungen, S. 11ff.
(11) Werner Schochow: Deutsch-Jüdische Geschichtswissenschaft. Eine Geschichte ihrer Organisationsformen unter besonderer Berücksichtigung der Fachbibliographie. Berlin 1966, S. 29ff.
Bernhard Brilling: Das jüdische Archivwesen in Deutschland. In: Der Archivar. 13(1960)2-3, Sp. 271-290, insbes. Sp. 276 f.
(12) Josef Meisl: [Die Historische Kommission für die Geschichte der Juden in Deutschland]. In: Zion. 19(1954), S. 171-172. Dieser in hebräisch veröffentlichte Artikel ist unter Verwendung von Akten der Kommission geschrieben worden, die sich heute in den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem befinden.
(13) Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. 35(1886), S. 347 ff.
(14) Regesten zur Geschichte der Juden im Fränkischen und Deutschen Reiche bis zum Jahre 1273. Hrsg. im Auftrag der Historischen Kommission für Geschichte der Juden in Deutschland. Bearbeitet unter Mitwirkung von Albert Dresdner und Ludwig Lewinski von Julius Aronius. Berlin 1902. (Olms Reprint 1970).
(15) Hebräische Berichte über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge. Hrsg. v. A. Neubauer und M. Stern. (= Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland, hrsg. durch die Historische Kommission für Geschichte der Juden in Deutschland, Bd. 2). Berlin 1892. (Olms Reprint 1997).
(16) Martyrologium des Nürnberger Memorbuchs. Hrsg. v. Siegmund Salfeld. (= Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland, hrsg. durch die Historische Kommission für Geschichte der Juden in Deutschland, Bd. 3). Berlin 1898.
(17) Das Judenschreinsbuch der Laurenzpfarre zu Köln. Unter Mitwirkung von Moritz Stern hrsg. v. Robert Hoeniger. (= Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland, hrsg. durch die Historische Kommission für Geschichte der Juden in Deutschland, Bd. 1). Berlin 1888.
(18) Adolf Kober: Die Geschichte der deutschen Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre. In: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. 1(1929)1, S. 13-23, insbes. S. 16.
(19) Meisl 1954, a.a.O. (s. Anm. 12), S. 172.
(20) Bericht über die sechste Plenarversammlung der Historischen Kommission für Geschichte der Juden in Deutschland. In: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. 5(1892), S. 297-299, insbes. S. 298.
(21) Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden. 1(1909), S. 1.
Brilling 1960, a.a.O. (s. Anm. 11), Sp. 278f.
(22) Encyclopaedia Judaica. Bd.8. Berlin 1931, Sp. 139. Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden. 1(1909), Einführung von Eugen Täubler, S. 1-8, insbes. S. 2 ff.
(23) Raphael Straus: Zur Forschungsmethode der jüdischen Geschichte. In: Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. 1(1929)1, S. 4-12, insbes. S. 4-5.
(24) Renate Heuer: Harry Breßlau-ein deutscher Jude. In: Hannoversches Wendland. 12(1987/88), S. 29-44, insbes. S. 43.
(25) Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden. 3(1911/12), S. 64.
(26) Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden. 3(1911/12), S. 75.
(27) Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden. 1(1909), S. 4f.
(28) Eugen Täubler: Plan für die Bearbeitung eines Urkundenbuchs zur Geschichte der Juden in Deutschland im Mittelalter. In: Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden 4(1913), S. 1-30.
(29) Bernhard Brilling und Helmut Richterling: Westfalia Judaica. Urkunden und Regesten zur Geschichte der Juden in Westfalen und Lippe. I. Band: 1005-1350. Mainz 1967.
(30) Ebenda, S. 10.
(31) Dazu ausführlicher weiter unten.
(32) Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden. 2(1910), S. 65-135.
(33) Bibliographia Judaica. Verzeichnis jüdischer Autoren deutscher Sprache, bearb. v. Renate Heuer. Bd. 3. Frankfurt a.M./New York 1988, S. 249.
(34) Judengeschichtliche Quellen im Hauptstaatsarchiv Hannover (= Sonderfindbuch 5), bearb. v. Enno Schöningh, Bd. 1. Hannover 1976, MSS, 373 Blatt; Bd. 2. Hannover 1977, MSS, 65 Blatt.
(35) Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden. 3(1911/12), S. 85-141.
(36) Bernhard Purin (Hrsg.): Buch der Erinnerung. Das Wiener Memorbuch der Fürther Klaus-Synagoge. Fürth 1999, Klappentext. Für die Einzelnachweise von Weinbergs Veröffentlichungen s. Falk Wiesmann: Bibliographie zur Geschichte der Juden in Bayern. (Saur) 1989.
(37) Zur Person siehe die Angaben bei Brilling 1960, a.a.O. (s. Anm. 11), Sp. 279, Anm. 26.
(38) A. Warschauer: Aus Warschauer Archiven. In: Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden. 6(1926), S. 5-14.
(39) Elisabeth Brachmann-Teubner: Geschichte und Aufgaben des Gesamtarchivs der deutschen Juden unter besonderer Berücksichtigung Pommerns. In: Geschichte und Kultur der Juden in Pommern. Ein Sammelband, hrsg. v. Margret Heitmann und Julius Schoeps unter Mitwirkung von Bernhard Vogt. (Olms) 1995, S. 487-498, insbes. 493.
(40) Brilling 1960, a.a.O. (s. Anm. 11), Sp. 280, Anm. 34. Vgl. auch Brillings Nachruf auf Jacobson, in: Der Archivar. 22(1969), Sp. 234-236. Das Manuskript von Brillings Arbeit, von der er 1960 noch sagt, daß sie ungedruckt geblieben ist, müßte sich heute als Teil seiner nachgelassenen Sammlungen im Jüdischen Museum Frankfurt befinden.
(41) Bernhard Brilling: Das Archiv der Breslauer Jüdischen Gemeinde (Das schlesisch-jüdische Provinzial-Archiv), seine Geschichte und seine Bestände. In: Jahrbuch der Schlesischen Friedrichs-Wilhelms-Universität zu Breslau. 18(1973), S. 258-284.
(42) Bernhard Brilling: Geschichte der Juden in Breslau von 1457 bis 1702. Stuttgart 1960, S. 106.
(43) Raphael Straus: Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte der Juden in Regensburg 1453-1738. München 1960. Geleitwort von Friedrich Baethgen, S. 6.
(44) Selma Stern: Der Preussische Staat und die Juden. Erster Teil. Erste Abteilung. Tübingen 1962, S. XI ff.
(45) Kober 1929. a.a.O. (s. Anm. 18), S. 15.
(46) So ordnete 1910 der Generaldirektor der preußischen Staatsarchive die Überlassung von Kassationslisten an das Gesamtarchiv an. Siehe dazu Elisabeth Brachmann-Teubner: Sources for the History of the Jews from the Eighteenth Century to the Twentieth Century in the Archives of the former DDR. In: LBI Year Book. 38(1993), p. 391-408, insbes. p. 402.
(47) Erlaß Nr. 673 vom 11.7.1933. Kopie aus: Staatsarchiv Nürnberg. Dienstregistratur.
(48) Herbert Reyer: Zur Geschichte der Juden in Ostfriesland. Eine Einführung in Forschungsstand und Quellenlage. In: Frisia Judaica, hrsg. v. Herbert Reyer und Martin Tielke. Aurich 1988, S. 9-25, insbes. S. 22.
(49) Schriftliche Auskunft des Nordrhein-Westfälischen Hauptstaatsarchivs in Düsseldorf vom 18.11.1993.
(50) Mitteilungsblatt der Preußischen Archivverwaltung, 1937, Nr. 2 (vom 18.1.37), S. 6-7; Nr. 8 (vom 10.7.37), S. 85. Kopie aus: Hessisches Staatsarchiv Wiesbaden, Abt. 404, Nr. 1230 und 1261a.
(51) Aufstellung nach Brachmann-Teubner 1993, a.a.O.(s. Anm. 46), p. 395.
(52) Roger S. Kohn: An Inventory to the Mordechai Bernstein Collection 1605-1965. Yeshiva University Archives. New York 1987, S. 7ff.
(53) Sie wurden 1952 dem YIVO übergeben und bilden dort den Bestand RG 285. Siehe dazu auch den Bericht in: News of the Yivo, Nr. 46 (Sep. 1952), p. 6.
(54) Kohn 1987, a.a.O. (s. Anm. 52), p. 21, 74-94.
(55) Berliner Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland, 26. Mai 1950, S. 16.
(56) Ursula Schnorbus: Quellen zur Geschichte der Juden in Westfalen. Spezialinventar zu den Akten des Nordrhein-Westfälischen Staatsarchivs Münster. Münster 1983, S. 6.
(57) Bernstein an Bauermann, 2.2.1951. Nordrhein-Westfälisches Staatsarchiv Münster. Dienstregistratur C IV 21.
(58) B[auermann] an Bernstein, 23.1.1958 (Konzept). Nordrhein-Westfälisches Staatsarchiv Münster. Dienstregistratur C IV 21.
(59) Helmut Richterling: Bernhard Brilling zum Gedenken. In: Gedenkschrift für Bernhard Brilling. Hrsg. v. Peter Freimark und Helmuth Richterling. Hamburg 1988, S. 9-13.
(60) Bernhard Brilling: Jewish Records in German Archives. Results of a Scientific Journey 1955-1956. In: LBI Year Book. 1(1956), p. 346-359, Zitat p. 346. Im einzelnen werden nur Spezialinventare folgender Staatsarchive erwähnt: Wiesbaden (p. 353), Münster (p. 353), Hannover (p. 358).
(61) Bernstein an Pfeiffer, 30.12.1949. Stadtarchiv Nürnberg. AZ: 412-23-00/1.
(62) Brachmann-Teubner 1993, a.a.O. (s. Anm. 46), S. 397.
(63) Auch im Staatsarchiv Leipzig wurde in demselben Jahr 1987 die Erarbeitung eines Spezialinventars in Angriff genommen: Archivalische Quellennachweise zur Geschichte der Juden im Staatsarchiv Leipzig. 2. Ausfertigung 1990, MSS, 63 S.
(64) Briefliche Mitteilung vom 23.4.1991. Zentralarchiv, Dienstregistratur, AZ: 7571.2.1.2
(65) Quellen zur Geschichte der Juden in den Archiven der neuen Bundesländer. Hrsg. v. Stefi Jersch-Wenzel und Reinhard Rürup. Band 1: Eine Bestandsübersicht. Bearb. v. Andreas Reinke und Barbara Strenge unter Mitarbeit von Bernd Braun und Nathan Sznaider. (Saur) 1996.
(66) Quellen zur Geschichte der Juden in den Archiven der neuen Bundesländer. Hrsg. v. Stefi Jersch-Wenzel und Reinhard Rürup. Band 2: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz. Teil I: Ältere Zentralbehörden bis 1808/10 und Brandenburg-Preußisches Hausarchiv. Bearb. v. Meta Kohnke. (Saur) 1999.
(67) Verzeichnis der im Schleswig-Holsteinischen Landesarchiv befindlichen Quellen zur Geschichte des Judentums. Teil I-III, bearb. v. Rolf Busch u. Karsten Schröder, Schleswig 1963 - 1966. MSS, 309 S.
(68) Siehe Anm. 34
(69) Inventar der Quellen zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800/1815-1945. Eine Gemeinschaftsarbeit, Redaktion Theresia Zimmer. 6 Teile (in 4 Bänden). Selbstverlag der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz. Koblenz 1982.
(70) Siehe Anm. 56.
(71) Quellen zur Geschichte der Juden im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden 1806-1866. Bearb.v. Hartmut Heinemann. Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen. Wiesbaden 1997.
(72) Herbert Lepper: Von der Emanzipation zum Holocaust. Die Israelitische Synagogengemeinde Aachen 1801-1942. 2 Bde. Aachen 1994.
(73) www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/B6/vorbem.htm
(74) Germania Judaica. Nach dem Tode von M. Brann hrsg.v. I.Elbogen, A.Freimann und H.Tykocinski. Bd. 1: Von den ältesten Zeiten bis 1238. (Neudruck) Tübingen 1963,Vorwort, S. IXf.
(75) Germania Judaica. Bd. 3, hrsg. v. Arye Maimon, 1.Teilband. Tübingen 1987, S. VIII.
(76) Judaica im Staatsarchiv Darmstadt. Bd. 1 Urkunden 1275-1650, bearb. v. Friedrich Battenberg. Darmstadt 1981, S. V.
(77) Von unveröffentlicht gebliebenen Arbeiten seien in diesem Zusammenhang beispielsweise erwähnt:
- Judenbetreffe in Urkunden- und Aktenbeständen des Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (1350-1600). MSS, [o.D.], 84 S. Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Findbuch 000.18.2.
- Quellen zur Geschichte der Juden bis zum Jahr 1600 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart und im Staatsarchiv Ludwigsburg, bearb. v. Wilfried Braunn. Hauptstaatsarchiv Stuttgart 1982, MSS, 339 S.
(78) Wiesbaden 1997, a.a.O. (s. Anm. 71), S. X.
(79) Albrecht Eckhardt: Quellen zur Geschichte und Kultur des Judentums im westlichen Niedersachsen. In: Der Archivar. 51(1998)1, Sp. 164-167.
(80) Stefi Jersch-Wenzel, Informationspapier und Vortrag auf der Conference on Judaic Archives in Europe, Potsdam 11.-13. Juli 1999.

 

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